• Heute ist Klatschmohn-Tag! Erinnerungen an die Opfer des 1. Weltkrieges

    Diesen Klatschmohn aus Plastik tragen die Briten seit zwei Wochen am Revers.

    Die Blume kauft man, und der Erloes wird zur Pflege von Kriegsgraebern und anderweitiger Unterstuetzung von Soldaten und ihren Familien ausgegeben. Das Tragen des Bluemeleins gehoert zum guten Ton, zeigt es doch dass einem die Soldaten am Herzen liegen und dass man fuer sie gespendet hat.

    Die Blume soll in diesen zwei Wochen, jedoch insbesondere am 11. November, an die Opfer der beiden Weltkriege (und insbesondere des ersten Weltkrieges) erinnern. Es gibt Prozessionen und Gedenkfeiern, Kriegsgraeber und Gedenksaeulen werden mit echtem und kuenstlichem Klatschmohn bepflanzt.

    Blogeintrag von Ryansmilla, England, zum Thema.

    Hier gibt es mehr Informationen zu diesem Tag.

    Es ist uebrigens reiner Zufall dass Poppy/Rememberance Day jedes Jahr mit dem deutschen Karnevalsanfang zusammen faellt.

  • Guy Fawkes Day

    Heute ist Guy Fawkes Day.

    Guy Fawkes, Robert Catesby und seine Mitverschwörer versuchten am 5. November 1605 das englische Parlament im Palast von Westminster in London in die Luft zu sprengen. Gründe hierfür dürften in der Verfolgung liegen, der sie als Angehörige der katholischen Minderheit ausgesetzt waren. Die Politik der englischen Regierung war zu der Zeit von einem rabiaten Antikatholizismus geprägt. Für das Attentat hatte er bereits 36 Fässer mit mehr als zwei Tonnen Schwarzpulver in den Kellern der Gebäude deponiert (daher auch die englische Bezeichnung Gun Powder Plot für das Attentat), die er zu diesem Zweck als Lagerraum gemietet hatte. Fawkes plante, mit dem Anschlag am Tag der Parlamentseröffnung im House of Lords König Jakob I. samt Familie, alle Parlamentsmitglieder, alle Bischöfe des Landes und den Großteil des Hochadels zu töten, sowie anschließend einige politische Gefangene aus dem Tower von London zu befreien.

    Einer der Mitverschwörer schrieb einen Warnbrief an Lord Monteagle (William Parker, 4. Baron Monteagle), der bei ihm am 26. Oktober einging. Die Verschwörer bekamen Kenntnis von dem Warnbrief, ließen sich jedoch von ihrem Vorhaben nicht abbringen, nachdem Fawkes versichert hatte, dass der Sprengstoff nicht berührt worden sei.

    Guy Fawkes und der eingelagerte Sprengstoff wurden dann vom Friedensrichter Thomas Knyvet am Morgen des 5. November bei einer Inspektion der Keller unter dem Parlament entdeckt. Unter der Folter bekannte der in den Tower gebrachte Fawkes sein geplantes Verbrechen und nannte auch seine Mitverschwörer, die am 30. Januar 1606 durch Hängen, Ausweiden und Vierteilen hingerichtet wurden. Einen Tag später wurde auch Guy Fawkes gehängt.

    Bis heute ist in Großbritannien dieses Beinah-Attentat nicht vergessen. Man feiert dieses Ereignis jedes Jahr am 5. November unter dem Namen Bonfire Night mit einem Straßenumzug, bei dem eine Guy-Fawkes-Puppe verbrannt wird und Feuerwerke entzündet werden. In Großbritannien sagt man auch heute noch scherzhaft, dass Guy Fawkes der einzige Mann sei, der mit ehrlichen Absichten in das Parlament gegangen ist.

    Text: Wikipedia

    In unserer Stadt gibt es jedes Jahr eine Kirmes. Das Feuer ist da (Aehnlichkeiten und Naehe zu St. Martin rein zufaellig!), dazu gibt es Kinderkarussells und die ueblichen Fressbuden. Kinder mit Zuckerwatte und Teenies mit Discobaendern im Haar die im Dunklen leuchten. Die aelteren Jungen mit Buechsenbier.

    Leider ist es an diesem Tag jahreszeitbedingt meist kalt und fies, und der Eissalon macht nochmal ein gutes Geschaeft indem er nochmal extralange auf hat. Hier kann man sich dann auf dem Heimweg bei heisser Schokolade aufwaermen.

    Fuer uns ist dieser Tag noch aus einam ganz anderen Grund besonders: Es ist Topcat`s Geburtstag. Als er klein war haben seine Eltern ihm erzaeht das Feuerwerk sei fuer ihn, darauf war er sehr stolz. Welches Kind hat schon an jedem Geburtstag im ganzen Land Feuerwerke und immer eine Kirmes?

    Mehr zu Guy Fawkes Day

  • Der Aerger der Welt...

    Ich kann ihn verstehen und teile ihn.

    Eine amerikanische Witwe gestern im Fernsehen: "Alle Briten, und insbesndere jeder einzelne Schotte sollte sich was schaemen!" Das ist unfair und irrational, aber wer kann ihren Aerger nicht nachvollziehen?

  • Edinburgh Fringe Festival 2009

    Heute haben wir den Tag in Edinburgh verbracht und uns dort unters Volk gemischt.

    Zunaechst waeren wir in der Moscheenkueche ein Curry essen und haben und die Ausstellung zum Islam angesehen (dazu werde ich sicher noch mehr in meinem Hauptblog schreiben!), dann gab es zwei Shows und Royal Mile.

    Die Royal Mile ist waehrend des Festivals immer viel zu voll, und an jeder Ecke wird man von jungen Menschen angesprochen die irgendeine Show promoten wollen. Ich meide sie am liebsten. Obwohl es auch dort Darbietungen gibt, kostenlos, auf der Strasse, kann man sie meist nicht richtig sehen weil die Menschentrauben darumherum so gross sind.

    Die Shows sind immer "Hit or Miss" - es gibt so viele, dass es schwer faellt die guten heraus zu suchen.

    Wir haben heute zwei gesehen. Einen Comedien den mein Mann vor 10 Jahren einmal sah und sehr komisch fand - er war es dieses Mal leider ueberhaupt nicht. In der zweiten Show plauderte eine ehemalige Reporterin des Schmierblattes aus dem Naehkaestchen, ueber sie haben wir viel und herzlich gelacht!

    Irgendwo jedoch muessen alle Comedians sicher eine Einverstaendniserklaerung unterschreiben dass sie Hitler, die Deutschen und den Krieg in ihrer Stunde unterbringen. Ich glaube ich habe noch nie etwas gesehen wo das nicht der Fall ist, und es aergert auch meinen Mann allmaehlich.

  • Gnade fuer die Kranken?

    Gleich drei Faelle haben hierzulande in den letzten Wochen/Monaten Aufmerksamkeit erregt in denen Menschen Straftaten begangen haben, teilweise dafuer auch bereits verurteilt waren und nun aufgrund von Krankheit begnadigt werden sollen.

    1. Einer von ihnen ist Postraeuber Ronnie Biggs: 80jaehrig wurde er vor wenigen Wochen aus dem Gefaengnis entlassen, da er wohl nicht mehr lange leben wird und den Wunsch geaeussert hat als freier Mann zu sterben.

    2. Noch immer gibt es Kampagnen die erreichen wollen, dass Gary McKinnon, der Hacker der es geschafft hat sich beim amerikanischen Militaer einzuloggen, nach Amerika ausgeliefert wird. Es heisst dort wuerde er viel schlimmer bestraft werden als hier in seinem Heimatland. Der Hacker hat eine autistische Stoerung und soll daher eine milde Strafe bekommen.

    3. Momentan ist der ebenfalls unheilbar krebskranke Lockerbie-Attentaeter Abdelbaset Ali al-Megrahi in den Schlagzeilen. Er sitzt wegen Massenmord in einem britischen Gefaengnis, soll jedoch nun frei gelassen werden um zuhause bei seiner Familie zu sterben. Sein Fall entzweit das Land. Insbesondere die Angehoerigen der 270 Opfer protestieren lautstark gegen die Freilassung und verlangen dass der Mann im Knast verrotten soll.

    Die Familie tut mir Leid. Vielleicht koennen nicht alle hierher reisen um sich von ihrem Verwandten zu verabschieden. Jedoch hiess dass Urteil lebenslaenglich, und lebenslaenglich heisst eben bis zum Tod.

    Biggs und McKinnon haben kein Menschenleben auf dem Gewissen. Sie sind wohl kaum gefaehrlich. Ali-al-Meghari jedoch hat 270 umgebracht (bzw dazu beigetragen) und wenn man ihn frei laesst muss man in Zukunft die gleiche Gnade fuer viele, viele andere walten lassen, welche kleinere Verbrechen begangen haben.

  • "Ist dies eine Kilt-Hochzeit?"

    ... ist in Schottland eine ganz normale Frage wenn jemand heiratet. Die Bezeichnung gibt Aufschluss auf die Kleiderordnung: hier wird nicht nur vom Braeutigam sondern auch von allen anderen maennlichen Gaesten erwartet dass sie im Kilt erscheinen.

    (Am Samstag gehen wir auf die Kilt-Hochzeit eines Speedway-Freundes. :-))

  • Pferdewetten

    Briten wetten gerne. Fussball, Pferderennen, Hunderennen und eigentlich alles auf das man will. Ich glaube in Deutschland habe ich noch nie ein Wettbuero gesehen, hier jedoch gibt es allein in meiner Stadt drei "bookies", fuer die heute ein grosser Tag war:

    Das Grand National - viel Aufruhr um 15 Minuten Pferderennen. Hier wetten mein Mann und ich und betraten eine halbe Stunde vor Rennbeginn das Wettbuero.. Platten mit Sandwiches standen in den Ecken an denen sich die Kunden bedienen konnten waehrend sie in der Schlange standen und an den Bildschirmen die Vor-Reportagen verfolgten. Einige sind sicher gleich geblieben um das grosse Ereignis anzusehen. Die Kundschaft bestand groesstenteils aus dickbaeuchigen aelteren Herren, aber auch junge Paerchen standen in der Schlange waehrend sich ihre kleinen Kinder Schinkenbrote nahmen.

    Die Athmosphaere ist natuerlich ganz was anderes wenn man einmal wirklich bei so einem Pferderennen dabei ist. Einmal hatte ich das Vergnuegen - meine Schwester hatte sich das gewuenscht. Sie ist Pferdefan und wollte ein einziges Mal hingehen und sehen wie es dort wirklich zugeht. Wir haben eine Pferderennbahn in unserer Stadt, bequemerweise gab es gerade ein Rennen als sie zu Besuch war, also...

    Bei den grossen Rennen die im Fernsehen gezeigt wird wird ja oft viel von den weiblichen Gaeste gezeigt, in ihrem verrueckten Hueten und bonbonfarbenen Cocktailkleidchen. Sehen und gesehen werden, so heisst es besonders bei den prominenten Damen in ihren VIP-Lounges.

    Nicht so bei uns - es gab keine Kleiderordnung (ausser beim jaehrlichen Ladies` Day, da sind solche Kleidchen und Huete unbedingt erwuenscht!), alles geht: Hier spielen zwei Kinder im Dreck waehrend ihre joggingbehoste Mutter das Kleine sauber macht, dem das Eis dekorativ auf die unbelatzte Brust gelaufen ist. Dort stehen zwei alte Herren in Pullundern wie sie in den 70gern modern waren an der Wettmaschine (an denen man per Computer wetten kann, man kann aber auch an einen Schalter gehen und sich von uniformierten Menschen bedienen lassen). Und die fuenf jungen Maennern in Jeans und Heavy Metal-T-Shirts da vorne haben auf jeden Fall schon zu viel getrunken.

    Mitnichten geht es hier bloss ums Pferderennen. Das Rennen ist eigentlich gar nicht so wichtig. Es sei denn man wettet um ein Einkommen zu erzielen. Viele jedoch wetteten kleine Betraege auf ein paar Pferde, nur mal so zum Spass.

    Draussen vor der Tuer ist eine richtige Kirmes aufgebaut: Getraenkebuden (unerschwinglich!), Fressbuden (auch) und ein paar Karussells fuer die Kinder. Ebenso kleine Verkaufsstaende wo es alles rund ums Pferderennen gibt - solche Sachen die bereits am Tag nach dem Rennen nicht mehr attraktiv sind: Tassen mit dem Jahr und Namen des Rennens drauf, T-Shirts, Schluesselringe und aehnlichen Ramsch. Selbst meine Schwester hat`s liegen lassen, trotz der Pferdebilder.

    Schoen war dass man ziemlich nah an die Staelle ran kam. Wir konnten sehen wie die Pferde vorher fertig gemacht (manchen wurden recht abenteuerliche Muster ins Fell gestriegelt, die allein kosmetische Gruende hatten) und hinterher erfrischt wurden. Es sind allesamt riesige, hochbeinige Viecher mit glaenzendem Fell.

    Es war interessant das mal zu sehen obwohl es nicht zu meinem Hobby werden koennte. (Ich habe eine Kollegin die geht jedes Jahr, vornehmlich um ihre schoensten Kleider zu tragen und Champagner zu trinken.)

    Auch wenn die besonders prestigetraechtigen Rennen in der Presse definitiv als High Society Events dargestellt werden sind die meisten Pferderennen fuer die breite Masse, die ausgehen, feiern und wetten will. Die meisten Rennen ziehen natuerlich auch nicht so viel Aufmerskamkeit von der Presse an wie, sagen wir mal, Ascott oder das Grand National. Ich staunte zu Anfang wie oft es allein bei uns Rennen gibt.

    Ein feiner Zeitvertreib fuer Briten from all walks of life, mitnichten bloss Spieler oder die Reichen die man im Fernsehen sieht...

    Mehr vom Grand National

  • Vegetarier in Schottland

    Ich sehe Euch bereits skeptisch gucken angesichts dieses Titels. Ich sehe Euch bereits in Erwartung eines Meckereintrages. Aber lest doch mal wie`s uns die Schotten wirklich einfach machen:

    Also, ich bin ja wirklich kein verwoehnter Vegetarier: 9 Jahre meines fleischfreien Lebens verbrachte ich im Land der Wuerste, teilweise mit den Fuessen unterm Tisch einer Bauernfamilie in der Fleisch immer das wichtigste auf dem Teller war. Ich wusste dass ich mich gut daran tat im Restaurant Bratkartoffeln und Rosenkohl zu vermeiden, da beides selbstverstaendich mit Speck versetzt sein wuerde. Stets jedoch war es besser zu fragen, um nicht von winzigen Schinkenteilchen oder (unsichtbarer, jedoch geschmacksintensiver) Rinderbruehe ueberrascht zu werden.

    Nein, ich stellte keine grossen Ansprueche auf Ruecksicht, dafuer jedoch jede Menge Fragen (die insbesondere den fleischessenden Verwandten auf die Nerven gingen).

    ***

    Schottland lernte ich zunaechst als regelmaessige Besucherin kennen. Da mein Mann und ich uns diese Besuche immer so schoen wie moeglich machen wollten assen wir mindestens so oft in Restaurants wie zuhause.

    Als ich zum ersten mal die gruenen, schwarzen oder roten "V"`s sah die sich ueberall auf der Speisekarte tummelten habe ich zunaechst sicher begeistert aufgeschrien. Das Konzept war einfach: Alles wo ein "V" dran steht darf ich bestellen ohne laestige Fragen stellen zu muessen und auf unangenehme Ueberraschungen gefasst sein zu muessen. Alles wo kein "V" dran steht enthaelt Tier. Die roten "V"s oder "vegs" stehen fuer veganische Gerichte in denen auch kein Ei oder Milch zu finden ist.

    Wie toll das doch war nicht mehr den Kellner zurueck halten und sicher stellen zu muessen dass auch ganz sicher weder Speck noch Bruehe noch irgendetwas tierisches in meinem Essen sein wuerde! Wie toll das doch war einfach ganz normal und selbstverstaendlich bestellen zu koennen ohne Zusatzauftraege wie "ohne das, dafuer dies, und bitte stellen Sie wirklich ganz sicher dass kein jenes".

    Auch im Geschaeft wird sich dieser "V"s und "vegs" bedient. Ist man zu faul zum Zutatenlesen - ein Blick auf die Buchstaben vorne sagt entweder "vertrauen" oder "liegenlassen". Selbst bei "selbstverstaendichen" Artikeln wie etwa Joghurts oder Brot wird darauf hingewiesen dass sie ganz sicher "suitable for vegetarians" sind, damit auch der paranoidste Vegetarier Vertrauen fasst.

    ***

    "Ich hab immer gedacht die Briten essen auch so viel Fleisch!" wird jetzt manch einer sagen.

    Ja, das tun sie in der Tat. Dennoch gibt es ueberall mindestens ein vegetarisches Gericht. Je nach dem wo man hingeht ist es mehr oder weniger aufregend, aber verhungern tut auch der Vegetarier wonirgends.

    Vieles haben wir auch unserer grossen suedostasiatschen Community zu verdanken. Indische Restaurants und pakistanische Supermaerkte gibt es an jeder Ecke. Aufgrund ihrer Beliebtheit sind ihre wichtigsten Zutaten und Gerichte auch in jedem Supermarkt zu finden. Sie enthalten nie Schwein oder Rind - zwar viel Huhn und auch Lamm, aber eine unglaublich grosse Auswahl an vegetarischen Koestlichkeiten. Das Indian Feast bietet stets ein fleischiges und drei vegetarische Hauptgerichte an.

    Auch andere Kulturen haben uns Vegetarier reich beschenkt. Ich denke z. B. an Hummous - in Deutschland schwer zu finden, hier in jedem Supermarkt Standard, in mindestens drei verschiedenen Geschmacksrichtungen.

    ***

    Manche werden sich natuerlich erinnern dass ich seit kurzem wieder den Genuessen des Meeres zugeneigt bin. Das liegt aber sicher nicht daran dass ich ansonsten dem Hungertod ausgeliefert gewesen waere (ausser in South Carolina und Spanien, hier jedoch nicht!)

    Aber das Angebot an Fisch und Meeresfruechten hier ist einfach unwiderstehlich, und irgendwann bekam ich einfach wieder Appetit darauf. Auch vom gesundheitlichen her fiel es mir nicht schwer dem Fisch eine zweite Chance zu geben und ich bin eben dabei geblieben. Nicht viel, aber so ab und zu mal. Wir haben hier im Ort ein Fischgeschaeft, da kaufen Leute von kilometerweit her. Den samstaeglichen Besuch dort haben wir nun wieder eingefuehrt.

    Aber dies war ja ein Eintrag ueber Vegetarier.

    Deutschland koennte sich von den Briten wirklich eine Scheibe abschneiden. Sie machen den Fleischverzicht sehr unbequem, und ich kenne einige halbherzige Vegetarier die eher die winzigen Schinkenstuecke mit essen wuerden anstatt ein Gericht zurueck zu schicken und somit Aufsehen zu erregen. Man hat schnell das Gefuehl ein "Freak" zu sein, Aufmerksamkeit heischen zu wollen und pingelig oder gar beleidigend zu sein.

    Selbst wenn ich beim Chinesen ein Gericht bestellte dass eindeutig vegetarisch klang sah ich mich gezwungen dem Koch ans Herz zu legen auf die Fischsauce zu verzichten.

    Hier ist es nicht noetig. Ich bestelle "die 32, bitte" und habe nichts hinzuzufuegen.

  • die britische Hochzeit

    Die britische Hochzeit ist schon sehr anders als die deutsche. Die Feier ist pompoeser und verschwenderischer, die Gaesteliste laenger, mehr Menschen sind wichtig und die Vorbereitungen sind anders.

    Fangen wir bei der Verlobung an. Ring ist Pflicht, Feier nicht.

    Braut und Braeutigam ernennen die Maid of Honour/Bridesmaid und den Best Man, das sind meist die beste Freundin und der beste Freund die sehr intensiv in die Hochzeitsvorbereitungen mit einbezogen werden, so dass sich die Verlobten entspannen koennen und sich nur um sich selber zu kuemmern brauchen.

    Dazu gehoert die Vorbereitung des Junggesellenabschiedes: dem "Hen do" fuer die Frauen und dem "Stag do" fuer die Maenner. (Ganz recht - das sind Huehner und Stiere, und so verhalten sie sich an diesem Abend traditionell auch!)

    Die Braut wird ihrer Maid of Honour sagen wen sie gerne dabei haette und was sie gerne tun moechte (und der Braeutigam seinem Best Man) und dann muss sie nichts mehr tun ausser am festgesetzten Tag am festgesetzten Ort aufzutauchen.

    Sowohl Hen dos als auch Stag dos sind oft peinlich. Der Alkohol fliesst reichlich, die ganze Gruppe verkleidet sich oft wobei Obacht gegeben wird dass der zukuenftige Braeutigam am bloedsten aussieht und die zukuenftige Braut durch einen winzigen Schleier auf dem Kopf auffaellt.

    Polterabende und Brautentfuehrungen gibt es nicht, wohl aber ist es im Zeitalter von Billigfluegen modern geworden nicht nur einen Abend zu verleben sondern gleich ein ganzes Wochenende weg zu fahren.

    Die HOchzeitsvorbereitungen koennen sehr, sehr lange dauern denn die meisten Hochzeiten sind wie gesagt deutlich groesser als in Deutschland.

    Wenn sie es irgendwie koennen ist es noch eher die Regel als die Ausnahme dass die Eltern der Braut fuer alles aufkommen, selbst wenn sie dafuer Geld aufnehmen muessen. Groesse und Niveau der Feier sollen der Familie des Braeutigams den Reichtum der Braut vorfuehren.

    Im Gegenzug haben die Brauteltern einen sehr grossen Einfluss auf die Art der Feier und die Gaesteliste: Sie bestimmen jeden Aspekt mit und es ist nicht ungewoehnlich dass Brauteltern ihre Freunde auf die Gaesteliste setzen auch wenn diese mit der Tochter ueberhaupt nichts zu tun haben.

    Die Familie des Braeutigams haben diesen Einfluss nicht und sind auch auf der Hochzeitsfeier nicht so wichtig.

    Auf einer britischen Hochzeitsfeier gibt es einen sehr langen Ehrentisch: Braut und Braeutigam, Brauteltern, manchmal (aber nicht immer) auch die ELtern des Braeutigams, und die Maid of Honour und den Best Man.

    Die Mutter der Braut ist fast ebensosehr Hauptperson wie das Brautpaar und es wird von ihr erwartet dass sie sich sehr auffaellig und fein anzieht, unbedingt mit Hut!! Oft ist sie genau so aufgeregt wie die Braut,und zwar nicht um der Tochter willen sondern da sie selber mit im Rampenlicht stehen wird - das habe ich letztes Jahr bei meiner Kollegin miterlebt als deren Tochter heiratete.

    Auch andere Frauen werfen sich sehr in Schale. Es ist nicht ungewoehnlich dass man fuer die Hochzeit einer anderen Frau ein paar kg abnimmt, ein neues Outfit kauft und sich morgens die Haare machen laesst. Reifere Frauen werden versuchen einander mit ihren Hueten auszustechen, die meisten schottischen Maenner werden im Kilt erscheinen. Es hat schon sehr viel von "sehen und gesehen werden". Es wird erwartet dass man einander mit Komplimenten begruesst: "Hallo, tolles Kleid/toller Hut/Mein Gott, wer macht Dir bloss die Haare immer so schoen?"

    Die Mahlzeit nach der Trauung heisst "Wedding Breakfast". Es gibt keine traditionelle Speise ausser der Hochzeitstorte die wir auch in Deutschland kennen und die unbedingt oeffentlich vom Brautpaar gemeinsam angeschnitten wird.

    Wenn die Gaeste in den Speisesaal kommen postieren sich die "wichtigen Personen" am Eingang und schuetteln jedem die Hand. Man stellt sich einander vor und sagt woher man die Braut und den Braeutigam kennt, wenn die "wichtigen Personen" das noch nicht wissen.

    Nach dem Essen, entweder vor oder nach dem Nachtisch, kommen die sehr wichtigen Tischreden vom Vater der Braut, dem Best Man und wenn er es moechte auch dem Braeutigam. Meist zielen die Reden darauf ab den Braeutigam/die Braut auf liebevolle Weise ein bisschen peinlich zu beruehren, z. B. indem Vaeter von der Braut als Baby erzaehlen oder Best Men von betrunkenen Abenteuern mit dem Braeutigam. Es ist oft nah an der Guertellinie, jedoch nie drunter. Andere Maenner/Frauen als Thema sind tabu.

    Nur Familie und enge Freunde werden der Trauung und dem Wedding Breakfast beiwohnen. Abends werden noch massenhaft weitere Gaeste kommen: Nachbarn, Kollegen, weniger enge Freude. Dann gibt es Tanz und noch einmal ein Buffet.

    Braut und Braeutigam duerfen sich waehrend der Feier diskret zurueck ziehen ohne sich zu verabschieden, aber die meisten auf deren Hochzeiten ich war wollen schon ihre eigene Feier von Anfang bis Ende geniessen.

    Am Ende der Feier wird man sich nicht nur von dem Brautpaar sondern auch wieder bei den Brauteltern verabschieden und sich fuer die wunderbare Feier bedanken (Selbst wenn man weiss dass diese ueberhaupt nicht bezahlt haben wird man sie im Glauben lassen dass man das denke...)

  • Der Konditor von Edinburgh

    Dieses Video ist zwar von 2007, aber ich moechte es Euch nicht vorenthalten:

    zum Video

    Es geht um Falko, den deutschen Konditor in Edinburgh und die Eroeffnung seines Cafes in Gullane. Bilder vom Farmers` Market auf der Schlossterrasse und der Gegend sind auch zu sehen. Zwischendurch redet er von Schottland und seiner Kultur und warum das Brot hier so schlecht ist:

    "Jeder darf hier Brot verkaufen, und so schmeckt`s auch!"

    Na gut, er hat ja Recht.

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