Die britische Hochzeit ist schon sehr anders als die deutsche. Die Feier ist pompoeser und verschwenderischer, die Gaesteliste laenger, mehr Menschen sind wichtig und die Vorbereitungen sind anders.
Fangen wir bei der Verlobung an. Ring ist Pflicht, Feier nicht.
Braut und Braeutigam ernennen die Maid of Honour/Bridesmaid und den Best Man, das sind meist die beste Freundin und der beste Freund die sehr intensiv in die Hochzeitsvorbereitungen mit einbezogen werden, so dass sich die Verlobten entspannen koennen und sich nur um sich selber zu kuemmern brauchen.
Dazu gehoert die Vorbereitung des Junggesellenabschiedes: dem "Hen do" fuer die Frauen und dem "Stag do" fuer die Maenner. (Ganz recht - das sind Huehner und Stiere, und so verhalten sie sich an diesem Abend traditionell auch!)
Die Braut wird ihrer Maid of Honour sagen wen sie gerne dabei haette und was sie gerne tun moechte (und der Braeutigam seinem Best Man) und dann muss sie nichts mehr tun ausser am festgesetzten Tag am festgesetzten Ort aufzutauchen.
Sowohl Hen dos als auch Stag dos sind oft peinlich. Der Alkohol fliesst reichlich, die ganze Gruppe verkleidet sich oft wobei Obacht gegeben wird dass der zukuenftige Braeutigam am bloedsten aussieht und die zukuenftige Braut durch einen winzigen Schleier auf dem Kopf auffaellt.
Polterabende und Brautentfuehrungen gibt es nicht, wohl aber ist es im Zeitalter von Billigfluegen modern geworden nicht nur einen Abend zu verleben sondern gleich ein ganzes Wochenende weg zu fahren.
Die HOchzeitsvorbereitungen koennen sehr, sehr lange dauern denn die meisten Hochzeiten sind wie gesagt deutlich groesser als in Deutschland.
Wenn sie es irgendwie koennen ist es noch eher die Regel als die Ausnahme dass die Eltern der Braut fuer alles aufkommen, selbst wenn sie dafuer Geld aufnehmen muessen. Groesse und Niveau der Feier sollen der Familie des Braeutigams den Reichtum der Braut vorfuehren.
Im Gegenzug haben die Brauteltern einen sehr grossen Einfluss auf die Art der Feier und die Gaesteliste: Sie bestimmen jeden Aspekt mit und es ist nicht ungewoehnlich dass Brauteltern ihre Freunde auf die Gaesteliste setzen auch wenn diese mit der Tochter ueberhaupt nichts zu tun haben.
Die Familie des Braeutigams haben diesen Einfluss nicht und sind auch auf der Hochzeitsfeier nicht so wichtig.
Auf einer britischen Hochzeitsfeier gibt es einen sehr langen Ehrentisch: Braut und Braeutigam, Brauteltern, manchmal (aber nicht immer) auch die ELtern des Braeutigams, und die Maid of Honour und den Best Man.
Die Mutter der Braut ist fast ebensosehr Hauptperson wie das Brautpaar und es wird von ihr erwartet dass sie sich sehr auffaellig und fein anzieht, unbedingt mit Hut!! Oft ist sie genau so aufgeregt wie die Braut,und zwar nicht um der Tochter willen sondern da sie selber mit im Rampenlicht stehen wird - das habe ich letztes Jahr bei meiner Kollegin miterlebt als deren Tochter heiratete.
Auch andere Frauen werfen sich sehr in Schale. Es ist nicht ungewoehnlich dass man fuer die Hochzeit einer anderen Frau ein paar kg abnimmt, ein neues Outfit kauft und sich morgens die Haare machen laesst. Reifere Frauen werden versuchen einander mit ihren Hueten auszustechen, die meisten schottischen Maenner werden im Kilt erscheinen. Es hat schon sehr viel von "sehen und gesehen werden". Es wird erwartet dass man einander mit Komplimenten begruesst: "Hallo, tolles Kleid/toller Hut/Mein Gott, wer macht Dir bloss die Haare immer so schoen?"
Die Mahlzeit nach der Trauung heisst "Wedding Breakfast". Es gibt keine traditionelle Speise ausser der Hochzeitstorte die wir auch in Deutschland kennen und die unbedingt oeffentlich vom Brautpaar gemeinsam angeschnitten wird.
Wenn die Gaeste in den Speisesaal kommen postieren sich die "wichtigen Personen" am Eingang und schuetteln jedem die Hand. Man stellt sich einander vor und sagt woher man die Braut und den Braeutigam kennt, wenn die "wichtigen Personen" das noch nicht wissen.
Nach dem Essen, entweder vor oder nach dem Nachtisch, kommen die sehr wichtigen Tischreden vom Vater der Braut, dem Best Man und wenn er es moechte auch dem Braeutigam. Meist zielen die Reden darauf ab den Braeutigam/die Braut auf liebevolle Weise ein bisschen peinlich zu beruehren, z. B. indem Vaeter von der Braut als Baby erzaehlen oder Best Men von betrunkenen Abenteuern mit dem Braeutigam. Es ist oft nah an der Guertellinie, jedoch nie drunter. Andere Maenner/Frauen als Thema sind tabu.
Nur Familie und enge Freunde werden der Trauung und dem Wedding Breakfast beiwohnen. Abends werden noch massenhaft weitere Gaeste kommen: Nachbarn, Kollegen, weniger enge Freude. Dann gibt es Tanz und noch einmal ein Buffet.
Braut und Braeutigam duerfen sich waehrend der Feier diskret zurueck ziehen ohne sich zu verabschieden, aber die meisten auf deren Hochzeiten ich war wollen schon ihre eigene Feier von Anfang bis Ende geniessen.
Am Ende der Feier wird man sich nicht nur von dem Brautpaar sondern auch wieder bei den Brauteltern verabschieden und sich fuer die wunderbare Feier bedanken (Selbst wenn man weiss dass diese ueberhaupt nicht bezahlt haben wird man sie im Glauben lassen dass man das denke...)